… das Handrücken-tattoo



Tätowierer haben naturgemäß einen kritisch-professionellen Blick auf die Arbeiten anderer Tätowierer. Wir fragen Tattookünstler, welches Werk von Kollegen sie im Moment besonders beschäftigt.

Mein lieber Freund und ehemaliger Studiokollege aus dem AKA Berlin, Martin Jahn, hat eine Interpretation der Mo- na Lisa auf einen Handrücken tätowiert, die mich völlig begeis- tert. Die handwerkliche Ausführung ist wie immer bei Martins Tattoos perfekt, sein Stil unverkennbar, und zudem ist sein ge- stalterischer Ansatz stark und durchgehend individuell.

Ich glaube, es ist sehr schwer, ein solches Tattoo umzuset- zen. Ein derart ikonisches Motiv oder Bild wie die Mona Lisa als Teil eines Entwurfes zu verwenden, ist hart, denn das Ori- ginal kennt jeder. Das dann auch noch in einer frischen, neuen Version und gleichzeitig in einem eigenen Stil zu realisieren, ohne dass es langweilig oder kitschig wird, finde ich extrem be- eindruckend.

Generell ist es zudem sehr schwierig Tattoos kopfüber auf dem Körper zu platzieren, denn diese sehen dann oft verzerrt, misslungen oder schlicht falsch platziert aus. Dieses Design hier ist für mich jedoch eine totale Ausnahme von der Regel, denn es funktioniert einfach! Ehrlich gesagt finde ich es so herum sogar wesentlich besser platziert, als es »richtig herum« der Fall wäre, denn die Form des Kopfes und des Halses nehmen die Kontur der Hand perfekt auf, die sich ja zum Handgelenk hin verjüngt. Außerdem lenkt die Positionierung von dem überaus bekannten Gesichtsausdruck der Mona Lisa ab, so dass der Be- trachter das Tattoo mehr als eine abstrakte Komposition als ein typisches Porträt wahrnimmt.

Zuletzt möchte ich sagen, dass ich es genieße, wie Martin seine Designs in Sektionen unterteilt und aufgliedert, abstrakte Elemente hinzufügt, die Formen zerstückelt, zerschneidet und schließlich collagenhaft wieder zusammenfügt. In diesem Fall sind seine Methoden zwar subtil, aber auch hier entsteht ein schönes Gleichgewicht zwischen Tiefe und Fläche sowie eine ausgewogene Balance zwischen Textur, Freiraum und massiver, gleichmäßiger Schwarzfläche – alles Stilelemente, die für Mar- tins Arbeiten typisch sind.

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