Death in ParaDise

Wer auf den klangvollen Namen Frankie Caraccioli hört, bräuchte eigentlich nicht noch zusätzlich einen Künstlernamen. Frankie hat sich dennoch einen zugelegt. Auf seinen Internet- und Social- Media-Kanälen findet man ihn unter dem Namen »Death Cloak«.

 

Frankies linework wirkt super elegant, bei den schattierungen zeigt er viel gespür für die Balance zwischen Hell und dunkel beziehungsweise die Wirkung von negativraum. Bei den Motiven setzt er sowohl auf Klassiker als auch auf eigene entwürfe.

 

Wir treffen Frankie »Death Cloak« Caraccioli an sei- nem Arbeitsplatz im Port

City Tattoo im kaliforni- schen Costa Mesa, wo wir uns mit ihm über seine

 

Arbeit als Tätowierer und seine Leidenschaft für Motorräder unterhalten. Dabei wollen wir auch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass er auch Il- lustrator ist. Grafisch-künstlerisches Talent ist ja heute beinahe schon eine Grundvoraussetzung, um Tätowierer zu werden, oder? »Ich glaube, man kann jedem beibringen, ein Tattoo zu stechen, aber was die einen von den anderen unterscheidet, ist eben schon das künstlerische Talent.«

Danach gefragt, ob Tätowieren für ihn Kunst oder Handwerk sei, antwortet er: »Es ist beides. Wo sich ein Tätowierer auf diesem Spektrum einordnet, ist letzten Endes jedem selbst überlassen. Ich denke, ich gehe da einen Mittelweg. Klar sehe ich mich auch als Künstler, aber vor allem will ich, dass der Kunde glücklich und zufrieden ist, und im Zweifels- fall bekommt der Kunde von mir das, was er haben möchte, und nicht das, was ich vielleicht für das Passendere halte. In dieser Hinsicht sehe ich mich

dann eher als Illustrator, aber ich habe auch schon Kunst gemacht. Ich war immer schon sehr kreativ.« Momentan beschäftigt sich Frankie jedoch mehr mit Grafikdesign statt mit Malerei – eine kreative Pause, wie er sagt. Wenn er denn überhaupt Zeit dazu hat. Mindestens fünf Tage die Woche tätowiert er, im Schnitt sticht er zwei oder drei Arbeiten pro Tag.

Der Einstieg in die Tattooszene erfolgte vor drei- zehn Jahren im Selbststudium – das hatte sich Fran- kie aber nicht ausgesucht. »Ich wurde von so vielen Studios abgelehnt, als ich nach einer Ausbildung fragte, dass ich keine Wahl hatte.« Dabei orientierte er sich von Anfang an gleich an den Top-Tätowie- rern, von denen sich viele inzwischen auch auf sei- ner Haut verewigt haben: Chris Garver, Horizakura, Mike Rubendall, Chris O’Donnel, Regino Gonzales und Mike Roper … »Ich bin wirklich dankbar, dass ich diese Leute treffen und von ihnen lernen konnte und auch, dass ich mit einigen befreundet sein darf.«

Die verschiedenen Einflüsse resultierten auch da- rin, dass Frankie prinzipiell in vielen Stilen sattelfest ist – seine Liebe gehört aber unübersehbar dem tra- ditionellen Stil, wobei er unter »traditionell« sowohl Western wie auch Japanese Traditional versteht.

Quick-check

Was denkst du über Cover-ups?

Hab ich schon viele gemacht, und bei man- chen Tattoos funktioniert es einfach nicht, egal, was man drübermacht. da empfehle ich dann vorher laserbehandlungen zum Aufhellen. ich selbst lebe einfach mit mei- nen alten, schlechten Tattoos oder lass schwarze grafik-Tattoos drüberklatschen.

Wirst du oft kopiert?

Ja, ich hab schon oft Kopien meiner Ar- beiten gesehen. Heutzutage versuchen Tä- towierer, sich mit geklauten designs noch nicht mal zu verstecken, sondern behaupten sogar noch, es seien ihre eigenen entwürfe. nichts dagegen, dass jemand von anderen lernt, aber eine Arbeit als eigene idee aus- zugeben, ohne den urheber zu nennen, das ist einfach scheiße.

Für welchen Film würdest du gern ein Filmplakat entwerfen?
drew struzan ist der Künstler, der Poster für Filme wie »indiana Jones«, »zurück in die zukunft« oder »star Wars« designt hat, und ich wünschte, ich hätte eines der Poster ge- macht! ehrlich, schaut euch mal seine Ar- beiten an, er ist einer der Besten!

Was denkst du über reality-tV-shows?

ich wurde schon mal für so eine show ange- fragt, aber das ist nichts für mich. ich kenne viele, die schon in solchen shows mitge- wirkt haben und akzeptiere deren entschei- dung zu einhundert Prozent. Wenn jemand das Thema Tätowieren im Fernsehen reprä- sentiert, ist es mir immer lieber, wenn es ein Profi ist.

arbeitest du auf Conventions?

Manchmal. zum Arbeiten ist es nicht ideal, aber ich reise gern zu neuen Orten, um mich dort mit Freunden zu treffen. das Pagoda- City-Tattoo-Fest ist das einzige, das ich re- gelmäßig besuche.

Wie sieht dein idealer kunde aus?

der kommt mit einer idee zu mir, ist aber

dennoch offen für meine Vorschläge und vertraut mir. unter diesen Voraussetzungen kann ich mein Bestes geben und am ende sind der Kunde und ich glücklich und zu- frieden.

Was sind deine nächsten Projekte?

ich werde »death Cloak« als Marke weiter voranbringen und mehr designs und Beklei- dung anbieten. das ist zum einen ein Ven- til für meine künstlerische seite, aber es promotet auch mein dasein als Tätowierer, denn das ist und bleibt meine Priorität. Tä- towieren ist mein leben!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.