Waldspaziergang mit Kamasutra

Die Römerin Claudia Ottaviani reist schon seit frühester Jugend und hat das bis zum heutigen Tag auch beibehalten. Sie ist eigentlich ständig unterwegs. Auch als wir sie in Italien besuchten, konnte sie für das Interview nicht einfach still sitzen, sondern wir gingen wandern.

Die schönen aus dem orient: Western traditionals bekommen bei claudia einen exotischen touch.

   

Claudia ottaviani hat vor allem Frauen als Kundinnen. sie selbst kann es sich nicht erklären, womöglich liegt es daran, dass ihre Frauenfiguren zwar nackt, aber nie entblößt dargestellt sind.

     

Die symbiotische metamorphose: die verwandlung von schönen Frauen in tiere wie spinnen, Fabelwesen und tiger sind ein weiteres erkennungszeichen in den bilderwelten der italienerin.

Durch die soliden outlines, den klaren bildaufbau und konstrastreiche Farben wirken die tattoos sehr traditionell. bei den motiven lässt sie sich von indischer Kunst, aber auch von badezimmerfliesen oder der natur inspirieren.

Arbeiten als ihre Werke zu verkaufen. Aber unterm Strich ist Instagram einfach unverzichtbar, denn ge- rade wenn man wie ich viel reist, ist es ein unheim- lich wertvolles Tool, um Leute zu erreichen.«

Als wir unsere Wanderung fortsetzen, frage ich Claudia, was sie jungen Tätowierern an Rat mit auf den Weg geben könne. »Ich tätowiere selbst erst seit zehn Jahren, ich glaube nicht, dass ich schon genug Erfahrung habe, um anderen Leuten Ratschläge zu geben. Vielleicht nur so viel: Man braucht Geduld, es kann ganz schön lange dauern, bis man wirklich gute Resultate sieht. Und ein kleines bisschen Angst, bevor man ein neues Piece beginnt, schadet gar nicht.«

Als ich Claudia frage, ob sie damit leben kann, dass ich ihren Stil unter Traditional verbuche, stimmt sie mir zumindest teilweise zu: »Ich bewege mich schon in der traditionellen Schiene, meine Designs haben solide Lines und kräftige Farben. Bei neueren Arbeiten weiche ich davon teilweise ab, weil ich mich von verschiedensten Dingen inspirieren lasse. Von indischer Kunst oder der Wand eines Inka-Tempels, hübschen Badezimmerfliesen, luxuriösen Palästen oder einer schönen Landschaft wie dieser hier … aber auch ein gutes Essen kann Inspiration sein, ein Blatt, eine Blume … Außerdem habe ich vor einigen Jah- ren damit begonnen, Ornamental-Tattoos zu machen, also auch mit dicken Linien, kleinen Ornamenten, ganz in Schwarz. So was mache ich auch sehr gern, der Effekt auf dem Körper ist einfach toll!«

Die meisten ihrer Kunden, erzählt Claudia, seien Freunde. »Oder Freunde von Freunden. Wenn ich auf Reisen bin, finde ich es toll, auf Leute zu treffen, die meine Sachen schon kennen und auch etwas von mir haben möchten. Zum größten Teil sind es Frauen, ich weiß auch nicht, warum. Aber auch da muss ich wie- derum sagen, dass Instagram dafür unheimlich nütz- lich ist, ohne das könnte ich einfach niemals so viele Leute erreichen.«

Und was hat es mit den erotischen Bildern auf sich, will ich noch wissen, als wir uns bereits auf dem Rück- weg befinden. »Also das kam so: Ich habe vor zwei Jahren in einem Studio in Barcelona gearbeitet und war gerade mit einem orientalisch angehauchten Ge- mälde beschäftigt, als einer aus dem Laden meinte, dass eine in meinem Stil umgesetzte Kamasutra-Posi- tion bestimmt toll aussehen würde. Kurz drauf sahen sich zwei weitere Tätowierer mein Bild an und sagten mir genau dasselbe. Okay, dachte ich mir da, warum nicht? Sie wirken auch wirklich sehr kraftvoll, das mag ich ja. Bis jetzt haben allerdings nur Tätowierer nach solchen Kamasutra-Tattoos gefragt, normale Kunden bisher noch nicht.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.